Nachrichten
Main-Ruderwanderfahrt im August 2011
16.11.2011 12:00 von rudern
Es ist doch noch Sommer geworden in 2011: Temperaturen um 30 Grad, Sonnenschein und eine ziemliche Schwüle machten die knapp 100 Kilometer lange Mainwanderfahrt von Karlburg nach Miltenberg zu einem schweißtreibenden und doch wunderschönen Erlebnis. Diesmal begleiteten uns auf der Wanderfaht noch Ruderer vom SC Janus aus Köln und von Queerschlag aus Berlin.
Erster Programmpunkt war
ein fränkischer Biergarten. Hier gab es die Möglichkeit schon einmal ein paar
Namen zu lernen. Danach ging es auf verschlungenen Pfaden durch die Würzburger
Altstadt, fachkundig erläutert von Gottfried. Noch beeindruckender als den
Schrein mit den Gebeinen St. Kilians fanden einige allerdings den ebenfalls in
der Kiliansgruft befindlichen Brunnen. Großes Gekreisch beim Blick durch die
Glasscheibe: „Iih, da sind ja Flecken drauf!“ Im Franziskanerkloster benahmen
wir uns dann aber wie die Musterknaben. Sonst hätten wir auch ins Beichtzimmer
gemusst und das wollte dann doch keiner.
Stattdessen landeten wir zur Vesper wieder im Biergarten „Würzburger
Hofbräukeller“ und hernach auf ein letztes Bier in Würzburgs einzig schwuler
Kneipe - mit einer Musiktruhedie noch mit der guten alten DM gespeist werden
wollte. In Würzburg führt ein netter älterer Herr größeren Umfangs das Lokal.
Torsten erzählte er, dass er mal in Köln lebte, aber mit der rheinischen
Oberflächlichkeit nichts anzufangen wusste und deshalb bald wieder an den Main
zurückkehrte. Fränkisch essen macht eben glücklich(er).
Nach einer Nacht in der zu Fuße der Festung Marienberg situierten
Jugendherberge verließen wir Würzburg nach einem Frühstück mit roter und gelber
Marmelade in Richtung Karlburg, Stromkilometer 218. Dort wurde uns die Barke
„Churfranken“ übergeben. Platz für 10 Ruderer, dazwischen ein passabler
Laufsteg und für den Steuermann eine Parkbank.
Schon zwei Kilometer
hinter Karlburg folgte die erste Schleuse. Wir durften erst in die Kammer
nachdem „Aquaplan“ mit Bergen von Blähton (oder war es Schlacke?) an Bord
passiert hatte. Dieses Procedere wiederholte sich fortan an jeder Schleuse.
Zeit für einen Schluck aus der Wasserflasche. Dann ging es „ohne Kraft, nur
Arme“ in die Schleusenkammer und vier Meter neunzig in die Tiefe.
An Gemünden vorbei ging es dann weiter bis zur Staustufe Rothenfels, wo wir
unsere Barke festmachten und von den Kanuten, die uns auf dem Wasser nur bis
Gemünden begleiteten, mit den Autos abgeholt wurden. Übernachtet wurde im
Kanuverein in Gemünden. Hier zeigte sich, dass perfekte Wanderfahrtorganisation
eine saubere Sache ist: Sogar eine Rolle 50-Cent-Stücke für die Dusche war im
Gepäck. Christian warf den nagelneuen Grill an und Torsten schrubbte die Bänke
für einen gemütlichen Abend bei Wein, Wein und Gesang. Genächtigt wurde im
Clubraum, dem Zelt oder auf dem Balkon mit Blick auf Bundesstraße und -Bahn.
Doch hat der findige Ruderer stets Ohropax im Gepäck, nicht wahr Jan-Peter?
Der nächste Morgen begann mit einem wunderbaren Frühstück und einer
anschließend Talschleusung. Das viele gurgelnde Wasser regte an, genau
wie der morgendliche Kaffee. Es folgten wunderschöne 35 Kilometer
Mainschleifen durch den Spessart bis zum Schutzhafen Hasloch. Buntsandstein
allerorten. Spessart-Räuber gibt es keine mehr, dafür jedoch tückische Untiefen
(ohne singende Blondine). Vor irgendeiner Schleuse überholte uns das
Frachtschiff „Kevin“, mit dem wir gemeinsam geschleust werden sollten. Wir
legten uns also in die Riemen, doch vergebens. Christophs Frage „Siehst du den
Arsch von Kevin noch?“ musste ich lachend verneinen.
Übernachtet wurde im Ruderclub Wertheim, gespeist auf der Burggastätte. Noch
höher kommt man in Wertheim übrigens nur hinaus, wenn man gegenüber in einer
hoch über dem Main gelegenen Großwohnsiedlung der siebziger Jahre lebt.
Vahrenheide lässt grüßen.
Die letzte Etappe von Hasloch bis Miltenberg war schließlich nur noch ein
Klacks. Läppische 25 Kilometer. In ganz Süddeutschland schien die Sonne. Wer
bis dahin nicht schon Sonnenbrand hatte, zog das T-Shirt aus. Gottfrieds
Anblick erinnerte uns irgendwie an Schweinerotlauf und Zinksalbe. Pause unterm
Eichenbaum in Dorfprozelten. Ein kleiner Hafen mit Sandstrand. Ein Imbiss mit
Latte Macchiato und Eiscreme. Herrlich! Weiter ging es an Freudenberg vorbei,
ein Dorf mit Burg und Stadtmauer, vielleicht ein wenig zu perfekt restauriert.
Aber man ist ja schließlich in Baden-Württemberg, gell? Nach Miltenberg war es
von dort nicht mehr weit.
In Miltenberg, unserem „port of disembarkation“, erwartete uns bereits der
Vorsitzende des dortigen Ruder-Clubs, Herr Büttner. Grundgereinigt wurde nicht
nur die Barke, sondern auch einige Mitruderer, mancher eher unfreiwillig. Die
Temperaturen ließen uns im Nu wieder trocknen. Nachtlager fanden sich in der Bootshalle,
auf der Terrasse oder auf der Wiese im Zelt. Das Gasthaus zum Riesen,
Deutschlands ältestes übrigens, servierte deftige Kost und kühles Bier.
Am nächsten Morgen hieß es zum letzten Mal gemeinsam frühstücken, nicht ohne
noch ein letztes Glas Sekt zu trinken. Na gut, zwei. Herr Büttner erzählte
unterdessen von Miltenberg und dem Ruder-Club, von Bierfranken, Weinfranken,
Mainfranken und Churfranken. Was an Leinebagger-Ruderern so besonders ist,
hatte er immer noch nicht so recht verstanden, glaube ich. Jedenfalls waren wir
ihm sehr sympathisch - und das ist auch gut so. Aufgezeichnet von Andreas,
Berlin.
Eine ausführliche Bildergalerie gibt es hier zu sehen.